Was ist ein guter Film?

Wenn es in Workshops um das Thema „Videofilm“ geht, dann werde ich immer wieder gefragt: „Was ist denn ein guter Film?“ – Die erste Antwort darauf ist eine Gegenfrage: „Philosophisch oder technisch gesehen?“ Über die dann fragenden und erstaunten Gesichter kann man schon ein eigenes Video drehen 😉

Betrachten wir zuerst den Hintergrund meiner scheinbar „blöden“ Gegenfrage: Gut, schön, hübsch, toll, etc., das alles sind Attribute, die nicht wirklich messbar sind. Sie liegen im Ermessen des Betrachters und haben keinerlei Eckpunkte, anhand derer man über alle hinweg eine Einigung finden kann. Egal ob beim Film, beim Foto oder sonst. Einen Messpunkt kann man mit der Lehre der Wahrnehmung setzen, auch Ästhetik genannt. Betrachtet man deren Bedeutung, kann man folgendes festhalten: Ästhetisch ist alles, was unsere Sinne bewegt, wenn wir es betrachten: Schönes, Hässliches, Angenehmes und Unangenehmes.

Aha, „hässliches“ ist also auch ästhetisch. Man könnte also durchaus sagen: „da hat jemand schön in die Ecke erbrochen, sehr ästhetisch„. Das werden die meisten von uns wohl eher nicht so sehen. Schön ist also ein sehr „schwammiges“ Attribut. Und so ist es auch mit „gut„. Die einen finden einen Film gut, wo Zombies Menschen fressen, zarter besaitete können sich das eher nicht anschauen. Andere wiederum finden einen Film gut, in dem 90 Minuten lang eine Dürrelandschaft gezeigt wird. Dies wiederum finden viele zum Gähnen langweilig und damit nicht gut. Da haben wir das Dilemma. Jeder hat seine eigene Philosophie, was ein guter Film ist.

Übrigens: Die meisten werden „ästhetisch“ nicht unbedingt mit „hässlich“ assoziieren. Das liegt daran, dass das Wort sich im allgemeinen für „schön“ eingebürgert hat. Die Lehre über das „Schöne“ allerdings ist die sogenannte Kallistik.

Technisch gesehen kann man einen Film nach gewissen Regeln betrachten. Und damit bewerten, ob es ein guter Film ist. Dabei unterscheide ich zwischen zwei verschiedenen Technik-Parametern. Einmal der Technik des Geschichte Erzählens und andererseits der Technik der Bild- und Tongestaltung. Und diese beiden „Techniken“ haben folgende Merkmale, die einen Film gut machen:

  • Definierte und erlernbare Gestaltungsregeln werden eingehalten, oder gekonnt extra nicht.
  • Die Aufmerksamkeit des Zuschauers wird gewonnen und bis zum Ende beibehalten
  • Der Zuschauer fühlt sich unterhalten
  • Die Dramaturgie wird durch gekonnte Kameraführung und Lichtsetzung erzeugt
  • Der Zuschauer hat während des Betrachtens Emotionen erlebt

Es gibt dutzende Regeln, massenweise mögliche Abweichungen, hunderte verschiedene Kombinationen und tausende verschiedene Zwecke, die in und mit Filmen umgesetzt werden können. Daher gibt es ausser den oben genannten Punkten keine einheitlichen Regeln. Ein Musik-Clip zum Beispiel hat ganz andere Regeln als ein Dokumentarfilm. Oder ein Spielfilm. Eine Reportage bedient sich anderer Elemente als ein Kino-Blogbuster (obwohl es heute auch Umsetzungen imReportage-Format gibt).

And the Oscar goes to ...

Der Oscar wird von der Academy of Motion Pictures and Sciences (AMPAS) jedes Jahr für den „besten“ Film des Vorjahres verliehen. Aber nicht nur einfach für „den besten Film“, sondern für insgesamt über 30 verschiedene Kategorien. Hierzu zählen zum Beispiel: Bester Film, bestes original Drehbuch, beste Regie, beste Kamera, bester Ton, bester Schnitt und viele weitere.

Ein gutes Zeichen dafür, dass ein Film nicht immer als „Ganzes“ gut ist, sondern es auch in scheinbar nicht so guten Filmen trotzdem tolle Filmbausteine gibt. Nominiert werden übrigens (mit kleinen Ausnahmen) nur Filme mit einer Mindestdauer von 40 Minuten und mit einer Produktion von zum Beispiel 24, bzw. 48 Bildern pro Sekunde.

Da ein guter Film aus verschiedenen „Bauteilen“ besteht, ist es nicht verwunderlich, dass meist der „Beste Film“ auch weitere Oscars in anderen Kategorien erhält.

Quelle: Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Oscar)

Während die Technik der Bild- und Tongestaltung seit Jahrzehnten die gleiche ist (aber immer wieder neue Nuancen findet), ist die Technik des Geschichte Erzählens von Natur aus sehr variabel und extrem vom Typ des Films abhängig. In unserem Workshop „Erfolgreiches Storytelling“ führen wir hierzu immer eine Beweisführung durch: Die Teilnehmer bekommen eine Handlung vorgegeben. Zum Beispiel etwas wie: „Achim und Sandra heiraten„. Nun soll jeder dazu den Pitch (grob: die formulierte Idee) schreiben. Schon haben wir bei zum Beispiel vier Teilnehmern mindestens drei verschiedene „Geschichten“. Die einen machen ein Drama daraus, die anderen eine Komödie. Oder es wird zum Beispiel eine klassische Reportage. Wir haben schon alles gesehen 🙂

Guter Film – eine Frage der Philosphie?

Bildgestaltung und Geschichten erzählen

Vor 30 Jahren hätte man wahrscheinlich gesagt, dass das Erzählen fest gegebenen Grundsätzen unterliegt. Zum Beispiel einer Einleitung, Spannungsaufbau, etc. Doch das ist (und das ist sehr subjektiv, ich möchte dadurch keine Grundsatzdiskussionen heraufschwören) in den letzten Jahren gerade durch den modernen Film eine fast obsolete Betrachtungsweise. Zeitsprünge, die Auflösung schon am Anfang, wellenartige Spannungsbögen, alles sieht man heute in einem guten Film. Und es funktioniert. Wenn man weiss was man tut. Und wenn man das was man tut dann auch entsprechend technisch gekonnt umsetzt. Und damit kommen wir zur Kernantwort der einleitenden Frage: ein guter Film ist eine erzähl- und filmtechnisch gute Umsetzung einer Idee, die die Aufmerksamkeit des Zuschauers von Anfang bis Ende gewinnt und bei ihm entsprechend nachwirkende Emotionen erlangt. Wer mehr über das Thema „Wie produziere ich einen guten Film“ wissen möchte, dem kann ich wärmstens unseren Workshop „Erfolgreiches Storytelling“ empfehlen. Dieser Workshop ist mit seinem Thema und in seiner Durchführung ein wahres Unikat und bringt jeden Teilnehmer zu dem Ziel, in Zukunft bessere und vor allem aussagekräftige Videos gestalten zu können.