Es ist lange her. Sehr lange. Den letzten Post auf dieser Seite habe ich am 06. Juli 2013 veröffentlicht. Vor mehr als 3 Jahren also. Die Frage nach dem „warum“ habe ich mir zwischenzeitlich nie gestellt. Zu sehr war ich mit anderen Dingen beschäftigt. Auch mit mir selber, mit meinem „inneren Schweinehund“. Wie kam das?

Vor ca. 5 Jahren habe ich den Plan gefasst, mein bis dahin grosses Hobby Fotografie zu meinem Beruf zu machen. Zu sehr fasziniert mich das Gestalten von Bildern und das ganze Drumherum, als dass ich das mal nur ein wenig nebenbei mache. Die Motivation war voll da.

Nachdem ich ein paar Workshops besucht hatte, um meine Skills entsprechend zu verbessern, ging es an die „Unternehmensplanung“. Was genau will ich anbieten, wer könnten meine Kunden sein? Pech, dass ich einen wirklich gut bezahlten Job hatte. Beim Vergleich was „möglich wäre“ und was momentan ist, gab es den ersten Dämpfer. Wer zahlt all die Dinge, wenn ich erst einmal ein Jahr oder zwei brauche, bis das Geschäft floriert? Angst? Nein. Fürsorge. Als 42-jähriger mit Frau und Kind denkt man anders, als man das als Single mit Mitte 20 noch tut. Das ist eine Tatsache.

Aber auch das hätte mich nicht wirklich abgeschreckt. Moralische Rückendeckung hatte ich zu jeder Zeit.

Doch dann passierte etwas, das mein Weltbild um diesen Beruf herum erst einmal zerstörte. Auf Flickr, in der Modelkartei, auf Facebook und sonstigen Plattformen fing es wahrlich an „Bilder zu regnen“. Jeden Tag wurde ich mit hunderten neuen Bildern konfrontriert. Sorry, 90% davon würde ich selbst heute noch nicht mal das Prädikat Lichtbild geben (geschweige denn Lichtbildwerk). Das meiste war (und ist immer noch) einfach nur Schrott. Und dann sah ich, dass dieser Schrott auch noch Namen bekam. Aus Bernds „meine zerwühlten Spaghettis von gestern Abend“ Bildern wurde auf einmal Bernd Müller Food Photographie (Name zufällig!). Mit Logo, 100 Likes und einem riesen Hype. Und es wurde von Tag zu Tag schlimmer. Hunderte, gar tausende „Fotografen“ gibt es auf einmal da draussen. Mann, wurde mir schlecht.

Nicht, dass ich die „Konkurrenz“ gescheut hätte. Ehrlich? Ich wollte mich da nicht einreihen. Ich wollte professionelle Aufnahmen machen. Mein Geld damit verdienen. Mich nicht einer „Food Porn„- und „Nackte Models machen gute Fotografen„-Industrie anschliessen. Viele Diskussionen habe ich verfolgt. Von etablierten Fotografen, die sich am liebsten neben mich gestellt hätten und sich auch das Esssen noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Und von etablierten Fotografen, die das alles nicht so schlimm finden, man muss sich eben eine neue „Nische“ suchen.

Jedes Bild was ich gesehen und jeder Kommentar den ich gelesen habe, brachte mich weiter an den Abgrund meiner Überzeugung: willst du tatsächlich mit Fotografie dein Geld verdienen? Dir auch ein Label aufsetzen: Hey, habe 3 Fotos die einigermassen gut sind, nenne mich ab heute Stefan Weyer Photography. Nein.

Parallel dazu ging in Deutschland dann die Geiz-ist-geil Welle um und Brautpaare wollten z.B. eher Geld für die Torte ausgeben, als für ordentliche Aufnahmen. Also das Ganze noch mal nachkalkuliert. Geschaut, ob auch für einen „erprobten Anfänger mit über 40“ noch genug Potential da ist, das hauptberuflich zu machen. Und mich selber reflektiert. Festgestellt, dass ich bereits seit mehr als 3 Monaten kein einziges Bild mehr gemacht hatte. Weil ich keine Motive fand, die nicht schon alle auf den Plattformen verdorben waren. Ja, ich gebe es zu: ich hatte die Lust am Fotografieren verloren. Hatte mich mitreissen lassen von der negativen Stimmung, die „da draussen“ erzeugt wurde. Gut so.

Denn diese Situation brachte mich dazu, erst einmal herauszufinden, was ich denn gerne ablichte. Und was mich unterscheiden würde von den meisten anderen. So erlangte ich wieder Motivation. Ideen. Ich fand mich selber wieder. Dieser Prozess dauerte fast 2 Jahre und war ungefähr vor einem Jahr abgeschlossen. Nun weiss ich was ich will. Weiss was ich kann. Weiss wohin der Zug fahren wird.

Und hier bin ich wieder. Und komme mit neuen Dingen auf euch zu. Ob ihr wollt oder nicht 😉

Warum ich diesen Artikel schreibe? Erstmal müsst ihr natürlich wissen, dass es wieder los geht. Und des weiteren würde ich mich freuen, wenn alle die das lesen und ein „Photography“ oder ähnlich in ihrem Namen stehen haben mal darüber nachdenken, ob das wirklich so ist. Ist eine schwere Sache. Dazu muss man ehrlich zu sich sein. Macht aber nachher Spass! Garantiere ich euch!

Gruss
Stefan