Bevor ich in der weiteren Artikelserie auf die verschiedenen Rechte und Rechtslagen von Fotografen, Models und Fotografien eingehe, soll dieser Post ein paar Begrifflichkeiten klären, um verschiedene Szenarien besser verständlich zu machen.

Bei diesem und bei allen weiteren Artikel zu rechtlichen Themen sei vermerkt, dass ich hier entsprechend meines Wissensstand, aufgrund von Recherchen, schreibe und diese Posts keinerlei rechtliche Relevanz besitzen. Wer sich mit diesem Thema weiterhin befassen möchte und in Zukunft auch wirklich rechtssicher seine Bilder veröffentlichen will, sollte dazu einen Fachanwalt konsultieren.

Zum Thema. Was wir so im allgemeinen als Foto oder als Fotografie bezeichnen, wird in der Welt des Rechts mit zwei verschiedenene Bezeichnungen tituliert: Lichtbild und Lichtbildwerk. Die Abgrenzung beider Begriffe ist rechtlich wichtig und auch wenn es bestimmt ein schmaler Grad ist, wann welche Fotografie was von beiden ist, es gibt entsprechende Beurteilungshilfen. Nicht überraschend ist, dass von Land zu Land die entsprechenden Rechte unterschiedlich sein können, auch wenn im Rahmen der EU versucht wird vor allem beim Lichtbild ein einheitliche Rechtssprechung zu erreichen.

Fangen wir mit dem Lichtbildwerk an. Der eigentliche Verweis in diesem Wort ist das „Werk„. Man geht im allgemeinen davon aus, dass es sich um ein Lichtbildwerk handelt, wenn auf dem Bild eine „eigene geistige Schöpfung“ erkennbar ist. Ein Lichtbildwerk ist also ein Ausdruck künstlericher Interpretation eines Fotografen.

Nehmen wir folgendes Beispiel: Ich nehme mir eine Zitrone und zerschneide sie in Scheiben. Eine dieser Scheiben lege ich auf den Tisch, setze meinen Blitz entsprechend in Position und mache ein paar Aufnahmen. Hinter diesem Gedanken liegt vielleicht von mir aus ein individueller „künstlerischer“ Gedanke, allerdings können diesen Dritte auf dem Bild nicht wirklich direkt erkennen. Nimmt sich mein Nachbar seine Kamera und macht ein ähnliches Bild kann man sagen, beide wurden mit „technischer Fähigkeit ins rechte Licht gerückt“.

Nehme ich mir die Zitrone, lege sie auf einen spiegelnden Untergrund und beleuchte sie von hinten mit einer Taschenlampe, ist das schon eine etwas künstlerische Interpretation. Dazu spritze ich noch ein paar Wassertropfen genau in den Strahlungswinkel auf die Platte und bearbeite das fertige Foto noch ein wenig in Kontrast und Sättigung. Hier wird jeder erkennen, dass ich mir als Fotograf einige Gedanken gemacht habe, ein „künstleriches“ Foto zu gestalten und so schnell wird es dieses Foto in annähernd gleicher Konstruktion nicht von meinem Nachbarn geben (auch wenn er es technisch umsetzen könnte).

Nun stellt sich die Frage, was davon ist ein Lichtbildwerk? Oder sind es beide Fotos, oder eher keines?

Die Antwort ist einfach: das kommt darauf an! Liest man diverse Texte dazu, ist im Grunde fast alles ein Lichtbildwerk. Es sei denn ein Foto kann genauso auch von einem anderen Fotografen mit den gleichen Fähigkeiten wie meinen (oder besseren) gemacht werden. Ich zitiere hierzu einmal Wikipedia (Link zum Artikel):

[Zitat] Für den einfachen Lichtbildschutz verblieben demnach (von Zufallsfotos infolge eines versehentlichen Auslösens der Kamera abgesehen) nur technische Fotos, bei denen jeder Fotograf mit denselben Fähigkeiten und Kenntnissen dasselbe Ergebnis, nämlich eine technisch einwandfreie Wiedergabe, erzielen müsse (also etwa Reproduktionen von Gemälden, Fotos von Maschinen, Fotos für die Verbrecherkartei, kartografische Luftaufnahmen und – im Regelfall – Passbilder aus Fotoautomaten). [/Zitat]

Da das Fotografieren ein Handwerk und eine Kunst ist, wird jeder Fotograf eine andere Technik und ein anders Auge für die Umsetzung haben, allerdings behaupte ich, kann fast jedes Foto von einem guten Fotografen nachgestellt werden. Somit könnte man auch sagen, fast alles ist ein „einfaches“ Lichtbild.

Wichtiger also als die Frage der Fähigkeit ein Bild umzusetzen ist wohl eher die Kreativität und individuelle Interpretation in einer Fotografie. Warum ist es wichtig zu wissen, ob es sich „nur“ um ein Lichtbild oder doch um ein Lichtbildwerk handelt? Was ist der Unterschied in der Rechtssprechung?

Grundsätzlich ist jede Aufnahme urheberrechtlich geschützt. Unterschieden wird in der Dauer dieses Urheberschutzes. Während ein Lichtbild grundsätzlich 50 Jahre ab dem Datum der Aufnahme geschützt ist (wenn es nicht veröffentlicht wurde, ansonsten 50 Jahre ab Veröffentlichungsdatum), erweitert sich dieser Schutz bei einem Lichtbildwerk auf 70 Jahre nach dem Tod des Fotografen. Hier spricht man von dem sogenannten Regelschutzwerk. Das Recht an Lichtbildwerken ist also auf Erben übertragbar.

Übrigens gilt dies auch für Filme, da diese als eine Folge von Bildern angesehen werden. Ein Film ist immer als Lichtbildwerk zu sehen.

Damit das Ganze nicht zu einfach wird, gibt es auch noch eine Kategorie von Aufnahmen, die überhaupt nicht urheberrechtlich geschützt sind. Die sogenannten gemeinfreien Bilder. Diese gehören zum Allgemeingut und sind hauptsächlich Reproduktionen von Bild- oder Textdokumenten, wenn sie mit dem Original übewiegend übereinstimmen (Kopie, Scan, oder eine Abfotografie). Auch gehören dazu Aufnahmen von Überwachungen und aus dem alltäglichen Privatbereich. Zweiteres ist natürlich eine sehr wage Definition, wie wir auch in einem der weiteren Artikel sehen werden.

Fazit: Wir werden im Laufe der nächsten Artikel immer wieder sehen, dass vieles was die Rechte rund um das Fotografieren betrifft, sich auf sehr „wackeligem Boden“ bewegt und oftmals vom letztendlich unvorhersehbaren Beschluss des zuständigen Gerichts abhängt. Liest man sich durch einige der im Web verbreiteten Urteile zum Thema Lichtbildwerk, so entsteht ein Wechselbad der Gefühle.

Mal ist man sich sicher wie ein Fall ausgeht und freut sich, dass man es vorher wusste, ein anderes Mal versteht man dann aber die Welt nicht mehr und hat sich damit abgefunden, das man gerade mal  „nur“ 50 Jahre Spaß an seinen eigenen Fotografien haben kann, bevor sie dann ins Allgemeingut fallen.